GESCHICHTE DER SCHIFFFAHRT AM BODENSEE
(Mit freundlicher Unterstützung von www.bodenseeschifffahrt.de)
DER ZWEITE WELTKRIEG
Die politische Lage hatte nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 erheblichen Einfluss auf die Bodenseeschifffahrt. Die Bodenseeschiffe wurden immer mehr für Sonderfahrten der NS-Gesellschaft „Kraft durch Freude" benutzt. Die deutschen Schiffe wurden durch schwarz-weiß-rote Schornsteinringe gekennzeichnet.
Auch auf die Österreichische Schifffahrt hatte die deutsche Politik Einfluss. Aufgrund der am 1. Juni 1933 verhängten „1000-Markstrafe" wurde Bregenz von den deutschen Schiffen nicht mehr angefahren. Die österreichische Schifffahrt beschränkte sich auf eine tägliche Oberseekursfahrt und einzelne Sonderfahrten zum Schweizer Ufer. Die Grenzöffnung am 28. August 1936 setzte dem ein Ende.
Am 12. März 1938 wurde Österreich vom Deutschen Reich annektiert und damit die Österreichische Schifffahrt aufgelöst. Die verbliebenen Dampfschiffe Bludenz und Stadt Bregenz, das MS Oesterreich und das sich im Bau befindliche MS Austria wurden dem Maschinenamt Lindau unterstellt. Das Trockendock und die Werkstätten in Bregenz wurden abgerissen und das MS Austria unter dem Namen „Ostmark" 1939 in Dienst gestellt.
Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hatte zunächst keine Folgen für die Bodenseeflotte. Erst mit Beginn des Russlandfeldzuges wurden Roh- und Treibstoffe rationalisiert. Die Motorschiffe wurden stillgelegt und der Schiffsverkehr mit den verbliebenen Dampfschiffen bewältigt.
Der 1940 begonnene Bau des MS Konstanz wurde nicht fortgesetzt und das Schiff nicht fertiggebaut. 1943 erhielten die Schiffe einen blau-grauen Tarnanstrich zum Schutz vor Fliegerangriffen. Dennoch wurden bei Fliegerangriffen die Motorschiffe Baden II, Höri und Schienerberg in Ludwigshafen beschädigt und die Dampfschiffe Friedrichshafen II und Württemberg zerstört. Das mit Luftabwehrgeschützen vor Friedrichshafen ankernde SD Königin Charlotte wurde 1944 abgebrochen.
Die schweizerischen Schiffe in Romanshorn sind während des Krieges fast alle stillgelegt. Die mittlerweile in Schiffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein umbenannte Schaffhausener Schifffahrt hält den Rheinverkehr aufrecht, muss ihre Schiffe teilweise aber mit Holz befeuern.
Als sich 1945 die Alliierten Streitkräfte dem Bodensee nähern, kommt der NS-Befehl, alle in Lindau und Bregenz stationierten Schiffe zu versenken. Um dies zu verhindern, werden die betroffenen Schiffe, nach Verhandlungen zwischen der Deutschen Reichsbahn und der Schifffahrtsinspektion Romanshorn, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion am 25. /26. April in den Schweizer Häfen schutzinterniert. Am 17. Mai wurden die Schiffe unter Aufsicht eines französischen Marinekommandos in ihre Heimathäfen zurückgebracht.
Es dauerte aber bis Oktober 1945 bis wieder ein Kursschiff den Obersee befahren durfte. Das SD Stadt Bregenz, mittlerweile wieder in Bregenz stationiert durfte an drei Wochentagen einen Oberseelängskurs fahren. 1946 durften schweizerische Schiffe mit französischer Genehmigung Sonderfahrten zum deutschen Ufer durchführen.
Im Januar 1948 wurde der Trajektverkehr zwischen Friedrichshafen und Romanshorn wieder aufgenommen und ab 15. Mai 1948 durften auch Kursschiffe diese Strecke befahren.
Nach dem Krieg mussten zunächst die Schiffe die während des Krieges nur mäßig gewartet worden waren überholt und instand gesetzt werden. 1949 wurden die Dampfer Zähringen und München modernisiert.
Die Österreichischen Bundesbahnen verfügten nach der Übernahme der Bregenzer Flotte 1945 über die Dampfschiffe Bludenz und Stadt Bregenz und das MS Austria (ex Ostmark). Das MS Oesterreich war zuerst von der deutschen, später von der französischen Kriegsmarine als Torpedoversuchs- und Fangschiff benutzt worden und lag von 1946 bis 1948 total demoliert in Kressbronn. Es wurde 1951 – 1953 repariert und umgebaut.
