Classic Bodensee
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DER BEGINN DER MOTORSCHIFFFAHRT

Waren ab 1920 erst nur kleine Motorboote wie das MB Adler I oder das MB Bayern in Dienst gestellt worden, nahm 1925 das erste Motorschiff, gebaut auf der noch jungen Bodan-Werft in Kressbronn, das MS Konstanz seinen Dienst auf. Zunächst von der Stadt Konstanz für den Lokalverkehr im Konstanzer Trichter vorgesehen, wurde es bald an die Schaffhausener Dampfboot AG vermietet und 1936 bei der Beteiligung der Stadt Konstanz an der Schaffhausener Aktiengesellschaft mit eingebracht. Das „Konstanzerli" feierte im Jahr 2005 seinen 80. Geburtstag und ist das älteste Motorschiff der Weißen Flotte auf dem Bodensee.

In den Jahren 1926 – 1928 stellte die Deutsche Reichsbahn ihre ersten Motorschiffe MS Stadt Radolfzell, MS Höri, MS Mainau I und das MB Reichenau I für den Einsatz im Unter- und Überlinger See in Dienst. Die Dampfer GD Mainau ex Stadt Konstanz II und SD Stadt Ueberlingen I wurden ausgemustert.

Im Jahr 1928 wird das erste größere Motorschiff am Bodensee in Dienst gestellt. Das Bregenzer MS Oesterreich, das wegen seiner luxuriösen Ausstattung und wegen seines wirtschaftlichen Betriebes sofort überzeugt. Es ersetzt den GD Bezau ex Austria.

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Bodenseeschifffahrt wird 1928 mit der Betriebsaufnahme der Fährverbindung Konstanz-Staad – Meersburg durch die Stadt Konstanz gesetzt. Dieses erfolgreiche Projekt ist insbesondere ein Verdienst des damaligen Konstanzer Verkehrsbürgermeisters Fritz Arnold. Das Motorfährschiff Konstanz I transportierte bereits am ersten Betriebstag 57 Pkws, 22 Motorräder und 548 Personen. Bereits 1930 wurde der Betrieb mit der neuen MF Konstanz (II) vergrößert.

Im Jahr 1929 kann die Deutsche Reichsbahn vier Neubauten in Dienst stellen. Das große Unterseemotorschiff Mettnau, die Auto- und Eisenbahnmotorfähre Schussen und die beiden Großbauten SD Stadt Überlingen II und MS Allgäu. Die Reichsbahn hatte bereits 1926 beschlossen, zwei Neubauten mit einem Fassungsvermögen von je mindestens 1000 Personen in Auftrag zu geben. Da man noch wenig Erfahrung mit Motorschiffen dieser Größe hatte, und um einen Vergleich ziehen zu können, wurde das neue Schiff für Konstanz als Salondampfer, das neue Lindauer Schiff als Motorschiff bestellt.

Am 21. September 1929 wurde das neue SD Überlingen II in Konstanz in Dienst gestellt und ersetzte den SD Baden. Das größte Dampfschiff, das sich jemals auf dem Bodensee im Einsatz befand, konnte 1000 Personen aufnehmen, und wurde gleich im Kursverkehr auf dem Obersee eingesetzt.

Bereits am 14. August 1929 fand die Jungfernfahrt des neuen Lindauer MS Allgäu statt, das den SD Augsburg ex Wittelsbach ablöste. Das bis 2002 tonagemäßig größte Fahrgastschiff auf dem Bodensee, übertraf den SD Stadt Überlingen II noch um rund 70 Tonnen. Das MS Allgäu, das damals schwer zu manövrieren war, wurde fast ausschließlich für Sonderfahrten eingesetzt.

In den Jahren 1930 – 1932 wurden die Motorschiffe Schienerberg, Kempten, Augsburg, Ravensburg und Baden I in Fahrt gesetzt, die vorerst keine Dampfer ersetzten. Die Schiffe Kempten, Augsburg und Ravensburg waren so genannte „Winterschiffe", weil sie ein höheres Einstiegsdeck besaßen und so das Einsteigen bei niedrigem Wasserstand im Winter erleichterten. Diese Schiffe und das MS Baden I waren die ersten Bodenseeschiffe, die einen Voith-Schneider-Antrieb erhielten. Bei diesem Antrieb sind zwei senkrechte Propeller im Heck des Schiffes platziert, bei welchen sich die Flügel verstellen lassen und die dadurch das Schiff antreiben und gleichzeitig steuern. Schiffe mit VS-Antrieb können auf der Stelle drehen und sind daher auch auf engstem Raum gut zu manövrieren.

In den Jahren 1932 und 1933 stellen die Schweizerischen Bundesbahnen ihre ersten Motorschiffe MS Thurgau und MS Zürich in Dienst, die auch heute nach wie vor im Einsatz sind. Diese Schiffe ersetzten die Dampfer Helvetia III und Säntis, die beide im Bodensee im 200 Meter-Graben versenkt wurden, weil die Verschrottungskosten zu hoch waren.

1935 wird das MS Allgäu in ein Dreideckschiff umgebaut und kann jetzt 1500 Fahrgäste aufnehmen. Im gleichen Jahr werden die Dreideck-Schiffe MS Baden II (Konstanz) und MS Deutschland (später: MS Überlingen II; Lindau) in Dienst gestellt, die die Dampfer Greif (1933) und Nürnberg (1937) ersetzen.

1936 stellte die Schaffhausener Dampfboot AG ihre ersten beiden Motorschiffe MS Arenenberg I und MS Munot I in Dienst. Das MS Arenenberg I wurde 1983, das MS Munot I erst 1997 ausgemustert.

Das MS Radolfzell (1936) war der letzte Neubau für die deutsche Unterseeflotte vor dem Zweiten Weltkrieg und ersetzte das MS Stadt Radolfzell, dessen Antriebsanlage nicht befriedigen konnte. Die letzten großen Neubauten der Deutschen Reichsbahn waren 1937 die Motorschiffe Karlsruhe (Konstanz) und Schwaben (Friedrichshafen), die die Dampfer Stadt Konstanz III und König Wilhelm ablösten. 1938 und 1939 kaufte die Deutsche Reichsbahn drei Motorboote für den Lokalverkehr Lindau – Strandbad Eichwald, die aber im Zweiten Weltkrieg verloren gingen.

Zwischen 1929 und 1936 wurden die Dampfschiffe Lindau, Bavaria II, Hohentwiel, Friedrichshafen II, Stadt Meersburg, St. Gallen und Rhein III modernisiert und umgebaut. Sie erhielten einen zusätzlichen Salon auf dem Vorschiff, einen weiteren auf dem Oberdeck. Damit konnten die Fahrgastzahlen deutlich erhöht werden.

 
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