Classic Bodensee
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VOM GÜTERTRANSPORT ZU PERSONENSCHIFFFAHRT

Hatte bis Mitte des 19. Jahrhunderts der Güterverkehr die Schifffahrt auf dem Bodensee beherrscht, so drängte sich in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts die Beförderung von Personen immer mehr in den Vordergrund.
1871 stellte die Badische Staatseisenbahn den ersten Salondampfer das SD Kaiser Wilhelm in Dienst. Dieses Schiff hatte erstmals neben der herkömmlichen Kajüte im Vorschiff einen großen Salonaufbau auf dem Achterschiff. Die Innenausstattung war luxuriös und das Schiff konnte 600 Personen aufnehmen. Der deutsche Kaiser Wilhelm I und der österreichische Kaiser Franz Josef I waren Gäste an Bord.

1877 stellte die Württembergische Staatseisenbahn ebenfalls einen Salondampfer in Dienst den SD Christoph II. Allerdings waren diese Schiffe mit dem hohen Salonaufbau recht windanfällig, deshalb einigte man sich darauf, zukünftig nur noch Halbsalondampfer, bei denen der achterne Salon zur Hälfte im Rumpf versenkt ist zu bauen.
Der erste Dampfer dieses Typs war 1877 der badische Dampfer Greif. Jetzt waren die Bayern am Zug, die 1879 mit dem SD Wittelsbach einen Halbsalondampfer bekamen. Dieses Schiff, ganz nach Geschmack des bayrischen Königs Ludwig II, besaß anfangs eine drei Meter hohe Löwenplastik auf dem Vorschiff, die aber bald entfernt werden musste, weil sie die Sicht der Schiffsführung behinderte.

Bregenz war bis 1880 von den deutschen Schiffen mitbedient worden. Doch schon lange regte sich bei den Österreichern der Wunsch nach einer eigenen Bodenseeschifffahrt. 1884 war es soweit. Die K. & K. österreichischen Staatsbahnen stellten die ersten beiden Dampfer in Dienst. Die Glattdeckdampfer Austria und Habsburg. Nicht als Salonschiffe gebaut, um sie im Falle eines Fehlschlages als Schleppschiffe verkaufen zu können. Aber die Geschäfte der österreichischen Schifffahrt liefen gut, so dass sie nach den beiden Schraubendampfern Caroline und Bregenz im Jahre 1885 den Halbsalondampfer Kaiser Franz Josef I in Dienst stellte. 1887 folgte der zweite österreichische Halbsalondampfer Kaiserin Elisabeth.

1887 war für die bayrische und die österreichische Schifffahrt ein schwarzes Jahr. Am 08. Oktober 1887 kollidierte der GD Habsburg mit dem bayrischen GD Stadt Lindau vor der Lindauer Hafeneinfahrt. Der bayrische Dampfer sank, wobei drei Personen getötet wurden. Das Schiff wurde einige Wochen später gehoben, konnte aber nur noch verschrottet werden. Die Schuld lag beim österreichischen Kapitän Graf Wilhelm Mercandin, der zu neun Jahren Arrest verurteilt wurde.

Die Schweizerische Nordostbahn hatte 1884 den GD Stadt Zürich in einen Halbsalondampfer „Zürich" umgebaut.
1887 stellte sie den Neubau SD Helvetia III der mit seinem Klipperbug und Bugspriet Aufsehen erregte in Dienst.
Damit war die große Zeit der Salondampfschiffe gekommen. Die badische Staatseisenbahn stellte in den Jahren 1888 den SD Zähringen, 1895 SD Stadt Ueberlingen I, 1901 SD Stadt Konstanz III und 1902 den SD Stadt Meersburg in Dienst und ersetzte damit die Glattdeckdampfer Germania, Mainau I und Friedrich. Der GD Leopold II wurde erst 1905 ausgemustert.

Bei den Württembergern wurden vier Schiffe der so genannten "Königsklasse" in Fahrt gesetzt, die Halbsalondampfer König Karl II (1890), Königin Charlotte (1892), König Wilhelm 1901 und Württemberg (1903), die die Glattdeckdampfer Olga (1892), Wilhelm II (1902) und Württemberg I (ex Kronprinz) (1904) ablösten. 1909 und 1913 folgten die letzten württembergischen Dampfer SD Friedrichshafen II und SD Hohentwiel. Zur Lindauer Flotte stießen 1890 der SD Prinz-Regent, 1892 der SD Rupprecht, 1905 der SD Lindau und 1912 der SD Bavaria II, als Ersatz für den "Glattdecker" Maximilian (1906) und den SD Bavaria I (1912).

1892 stellte die Schweizerische Nordostbahngesellschaft den SD Säntis in Dienst, der den ehemaligen Schaffhausener Dampfer Stadt Schaffhausen ersetzte. 1897 folgt mit dem SD St. Gotthard ein weiterer Halbsalondampfer der das Glattdeck-Schiff St. Gallen I ablöste. 1905 und 1906 folgten die letzten schweizerischen Dampfschiffe SD St. Gallen II und SD Rhein III, die von den Schweizerischen Bundesbahnen, die die Nordostbahn übernommen hatten, als Ersatz für den GD Bodan (1907) in Auftrag gegeben worden waren.

Bei der österreichischen Schifffahrt kam 1892 noch der SD Kaiserin Maria Theresia dazu und 1910 der Salondampfer Stadt Bregenz, der neben dem achternen Salon einen weiteren auf dem Vorschiff hatte und dazu einen auf dem Oberdeck. Das SD Stadt Bregenz war bis 1929 das größte Bodenseeschiff.

Die Schaffhausener Dampfbootgesellschaft hatte 1870 den Glattdeckdampfer Hohenklingen in Dienst gestellt, der aber nach der erfolgreichen Reparatur des GD Neptun ex GD Rheinfall 1871 überflüssig wurde, nachdem auch die Badischen Staatseisenbahnen wieder den Untersee befuhren. Das Schiff wurde nach Friedrichshafen verkauft, wo es zuerst als „Christoph I" später als „Mömpelgard" Dienst tat. 1903 kaufte es die Schweizerische Dampfboot AG zurück. Diese stellte auch mit dem GD Schaffhausen 1913 den letzten Glattdeckdampfer auf dem Bodensee in Dienst.

 
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